Eine ältere Dame ist bei einem Strassenbahnunfall auf dem Augustusplatz gestorben. Vor dem Gebäude der Polizeidirektion in der Leipziger Innenstadt hat sich ein Polizist erschossen. Beides aktuelle Fälle von tragisch zu Tode gekommenen Menschen aus den vergangenen Tagen.
Stört es eigentlich niemanden, wenn sich sonst seriös gebende Tageszeitungen Fotos von toten Menschen, geschossen an den Unfall- und Tatorten, auf ihren Seiten veröffentlichen? Fotos, auf denen zugedeckte Leichname zu sehen sind, von denen auch mal ein Haarschopf oder die Schuhe unter der Decke hervorschauen können. Bilder, die dem Nachrichtenwert der Meldungen rein gar nichts mehr hinzufügen können und stattdessen für mein Empfinden an den guten Sitten rütteln? Möchtet Ihr verstorbene Angehörige derart abgebildet in der Lokalzeitung sehen? Oder solche Bilder auf dem Kaffeetisch liegen haben, während Eure Kinder daneben spielen? Sollen so Leser zurückgewonnen werden? Stört das keinen?
Fotos von Tat- und Unfallorten – stören die keinen?
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12 Kommentare
mich würde das stören. aber andererseits: wer die blaetter nicht ließt, den stört’s auch nicht
Grenzwertig, sicher. Und nein, ich möchte keinen Verwandten derart in der Zeitung abgebildet sehen.
Aber: man sieht die Leute ja nicht, es steht auch nicht dazu, dass es Lieschen Müller aus der Ahornallee 24 war. Demzufolge sind solche Fotos einfach Reportage- oder Dokumentationsfotos. Ich sehe da keine großen Probleme, eben solange die Menschen darauf nicht kenntlich sind oder man das Blut irgendwo tropfen sieht.
Ich bin, wenn ich zufällig zu einem Unfall dazukomme und die Kamera dabei habe, auch jedesmal hin- und hergerissen. Soll ich, soll ich nicht. Ich habe mal auf der Autobahn einen Unfall fotografiert, wo ein kleiner LKW einem großen hinten drauf gefahren ist. Der Fahrer eingeklemmt, das Bein war sicher nicht mehr als solchen zu gebrauchen. Ich zitterte am ganzen Leib beim Fotografieren. Am Ende habe ich nur die Fotos angeboten, auf denen man zerbeultes Blech sah. Die mit zertrümmertem und blutendem Bein habe ich gelöscht.
Wieso, die Zeitung liest doch eh keiner mehr…
Diese Fotos und auch der Anblick haben noch nie jemanden gestört. Früher sagten die Leute noch huch und schauten gebannt zu, heute sagen sei echt geil und schauen gebannt zu.
Scheint Redaktionspolitik zu sein, Schaulust zu befriedigen oder vielleicht sogar erst zu wecken. Hat mit Journalismus halt nichts zu tun. Aber damit gewinnt das Blatt auch keine Leser zurück. Wie oft die aber in Presseschauen zitiert werden, find ich immer wieder verblüffend.
Ich kaufe diese Zeitung schon lange nicht mehr, musste leider berufsbedingt immer wieder mal reinschauen.
Ja, rechtlich stellen solche Veröffentlichungen kein Problem dar, und auch den Pressekodex schrammen die kaum.
Es ist trotzdem kein guter Stil.
Doch – mich stört’s.
Aber interessiert Herrn Hilder meine (persönliche) Meinung?
Man muss sich ja letztlich auch nicht wundern, oder?
Schließlich ist die LVZ letztlich doch nur ein Springer-Auswuchs und kommt den Praktiken ihrer großen Schwester (BILD) häufig schon sehr nahe.
Auch auf RTL konnte man den nicht ganz bedeckten Leichnam des Polizisten sehen.
Es ist, gerade bei Selbstmord, natürlich nicht so richtig mit dem PRessekodex zu vereinen, da das Bild keine Zusatzinformationen in sich trägt.
Viele Printmedien berichten deshalb überhaupt nicht über Selbstmorde, was ich nicht das Unschlauste finde. Ich denke aber das jeder Tod, selbstverschuldet oder nicht, mit Respekt behandelt werden sollte. Deshalb ist diese Art der Sensationslust-Stillung zumindest fragwürdig.
Sicherlich kann man sagen: Die Leute wollen es ja lesen! Aber dafür sind die Journalisten da. Als “Gate-Keeper”. Um zu entscheiden, was die Leser zwar lesen wollen, aber nicht sollten. Sehen wollen, aber nicht sollten.
Hier wird aufgrund der rückläufigen Auflagezahlen aber immer häufiger genau andersrum selektiert! Das ist sehr traurig.
Die LVZ ist keinesfalls hundertprozentig in Springer-Besitz. Zitat Wikipedia: “An der traditionsreichen Leipziger Volkszeitung beteiligen sich heute jeweils zu 50 Prozent die Verlage Axel Springer, der offiziell keinerlei redaktionellen Einfluss hat, und Madsack (Hannover), die den Verlag 1991 von der Treuhand zu gleichen Teilen gekauft haben.”
Richtig, Springer und Madsack teilen sich die LVZ. Ich würde sogar sagen, dass im reinen Tagesgeschäft Madsack eher das Sagen hat als Springer, aber das ist subjektiv. Trotzdem gebe ich Euch recht, dass die Überschriften oder die Auswahl der Themen teilweise schon boulevardeske Züge annehmen. Wie morgen (heute) wieder ein großes Foto von im Mendebrunnen badenden Mädchen auf der Leipzig-Titelseite prangt. Weils grad so schön zum Wetter passt. Himmel….
Auch wenn es keine hundertprozentige Springer-Tochter ist, merkt man schon die Tendenz?! Oder ist sie einfach so vorhanden und man assoziert sie fälschlicherweise mit dem Springer-Konzern.
Und wie auch immer ändert es nichts daran, dass der Pressekodex schon angeschnitten wird. Wenn man’s drauf anlegte, würde der Einwand beim Presserat zumindest nicht abgewiesen. Auch wenn’S vielleicht nicht gleich eine öffentliche Rüge gibt.
Im II. Quartal hat der Presserat im Übrigen der BILD eine nicht-öffentliche Rüge erteilt. Eben wegen der Bebilderung eines Selbstmordes…
Die LVZ mit einem Boulevardblatt zu vergleichen, geht mir dann doch etwas weit, aber mich stören diese Bilder auch, weil sie eigentlich keinerlei Informationsgehalt bieten. Andererseits ist es so, dass sich die Leser meist nicht öffentlich beim Presserat beschweren… Dann gibt es auch keine Rüge – leider!