Skip to content

Spuren einer barbarischen Mission: Die Gebeine von St. Pauli

Augusteum der Uni Leipzig mit Paulinerkirche um 1890. Public Domain. Quelle: Wikipedia.

Es sind Menschenknochen gefunden worden diesen Sommer mitten in Leipzig, Schädel und Skelettteile. Als “Wunder von St. Pauli” waren sie gut für ein paar Schlagzeilen. Zuerst fragte ein Nachfahr des Reformators Martin Luther, ob es sich um die Gebeine des Luther-Sohns Paul handeln könnte, eines Mediziners und Alchemisten, verstorben im Jahr 1593. Ein Professor der Berliner Charité bot daraufhin an, das über einen DNA-Test herauszufinden. Dann kam ein Archäologe zu Wort, der fand, man müsse “den alten Krempel nicht mehr aufrollen”. Seither sind die Knochen wieder aus den Nachrichten verschwunden.

So beginnt Grit Hartmann ihren Beitrag “Zone drei gesprengt” in der Berliner Zeitung vom 29. September. Grund ihres Textes ist die aktuelle Debatte um archäologische Funde am neu zu errichtenden Campus. Aber sie schreibt vor allem über das, was vor der Sprengung der Paulinerkirche 1968 möglicherweise passiert war. Es geht um Grabschändung, es geht um goldene Rosen – nein, es geht vor allem um den Umgang mit dem, womit man in Leipzig immer ein Problem zu haben scheint: der eigenen Geschichte nämlich. Wie häufig wurden steinerne Zeugen einer älteren Zeit in Leipzig einfach zerstört oder verschleppt und auf eine Halde geschoben? Die Paulinerkirche ist nur ein Beispiel. Aber ein gutes. Durch die Augen des Arbeiters Winfried Krause, der wohl bei der PlünderungBergung des Inneren der Universitätskirche 1968 dabei war, sehen wir eine Geschichte, die uns den Atem stocken lässt.

Wer nach der Lektüre des gut geschriebenen Textes von Grit Hartmann weiter auf dem Laufenden bleiben möchte, findet Kommentare zum aktuellen Geschehen auf der Campus-Baustelle beim Paulinerverein.
(via Paco)

Categories: Presseschau.

Comment Feed

5 Responses

  1. Was heißt denn “…möglicherweise passiert war.”? Kommen in dem Buch auch Hobbits vor? Und Luke Skywalker? Die waren ja auch vor lange, langer Zeit aktiv…irgendwie.

  2. Man muss meines Erachtens unterscheiden zwischen dem Fakt, dass die Kirche geprengt wurde und einzelnen späten Zeugenaussagen, die nicht zwangsläufig absolut objektiv sein müssen. Deswegen habe ich relativieren wollen und deswegen tut es auch Frau Hartmann–auf eine andere Art und Weise. Die kann wirklich schreiben!

  3. Recht haste ja. Doch um St. Paulis Sprengung ranken sich derart viele Mythen, dass es fast schon dänikenesk anmutet, wenn jemand etwas “neues” publiziert. Und der Verein – hör mich auf: “Leipzig braucht St. Pauli”. Wenn dem so wäre, müssten da nicht vorher noch eine Menge anderer Kirchen gefüllt werden. Vornehmlich die, die noch intakt sind?

  4. Nachdem man erfahren hat wie die LEBENDEN in den DDR gefängnissen leiden mussten ..zt bis zur folter–und ermordung ist diese kULTURSCHANDE und der verächtliche umgang mit den toten in den grüften natürlich eine “lappalie” –Da braucht man sich wohl garnicht drüber aufzuregen–
    Wird wohl auch von denen abgestritten die sed opfer als ” Lügner ” verhöhnen wenn sie von ihren leiden in ddr -gefängnissen berichten–
    das unterschlagen von grabfunden und kunstgegenständen–also ” Antiquitäten ” ist dann wohl gar nicht ” Erwähnenswert “

    G Marchot4. Mai 2008 @ 20:40
  5. nachtrag –
    Meine wahlheimat mainz war durch besondere umstände –bis zu einem sieg über frankreich 1871 –noch in der alten stadtmauer zum grossen teil noch mittelalterlich erhalten–Es wurde zu über 80 % durch bombenterror der alliierten ..im wissen : Wohngebiet –zerstört -NICHT durch eigenen staatsterror
    Wenn ich sehe mit welchen anstrengungen mainz versucht das wenige erhaltene zu restaurieren–auch unter riesenunkosten–
    Daher verstehe ich schon garnicht wenn wahrheitsscheunde –oder fürchtende IMMER noch da sind–die nachforschungen erschweren –oder verhindern–WEG MIT DENEN !

    G Marchot4. Mai 2008 @ 22:42



Some HTML is OK

or, reply to this post via trackback.