Montagnachmittag. Leipzig, Innenstadt. LVB-Tower. Frohen Mutes betrat ich die als “Mobilitätszentrum” benannte Service-Oase der Leipziger Verkehrsbetriebe. Stolz war ich, dass ich doch diese Pressemitteilung in der Redaktion abgefangen hatte, auf der das Unternehmen frohlockte, nun auch Zugtickets verkaufen zu können. Von Leipzig nach Oberwiesenthal soll meine Reise gehen, mit Sack und Pack Familie bitteschön. Sagte ich der serviceorientierten Dame in hellgelber Bluse, blauem Sakko und übergeworfener blauer Strickjacke. Natürlich sei das kein Problem, lächelte sie zurück. Da müsse sie nur mal die Tickets holen. Sprach’s, verschwand hinter einer Tür, die sich langsam genug schloss, dass noch zu sehen war, dass die Dame offenbar in den Keller hinabstieg. So, als hätte ich gerade nicht “Fichtelbergexpress” sondern “Kartoffeln, zwei Zentner bitte!” gesagt.
Nach einer halben Minute stand die gelb-blaue Mobilitätsberaterin wieder vor mir. Mit einem Block Abreißtickets. Der sich als Problem erweisen sollte. Denn ich konnte sie gerade noch davon abhalten, die Fahrkarte falsch auszufüllen. Denn offenbar setzte sie “Familie” mit “Gruppe” gleich. Aber in Gruppen reise ich nicht. Bitte nur ich, meine Frau und mein Kind. Doch so ein Kästchen gab es nicht, um dort hinein ein Kreuz zu malen. Oh – was nun? Da musste die Servicekraft überlegen. Und ihre Kollegen fragen. Aber die wusste auch nicht so recht.
Also anrufen. Aber nicht etwa die eigens eingerichtete Hotline in Chemnitz. Nein. “Da ruf isch ma den Mischa an!”, tönte sie fast schalmeienhaft und wählte schon. Wer der Mischa ist – ich weiß es nicht. Macht auch nichts, denn wie man aus dem Gespräch raushören konnte, war es wohl eine Frau, die am anderen Ende der blau-gelben und nicht gut informierten Servicedame erklärte, wo sie denn die Unterlagen zu den Zugtickets finden könne. Ein PDF müsse es da geben. Mit vier Seiten. “Ich hab aber nur zwei hier, warum hab ich nur zwei hier?”, bestrafte sie die andere Dame am Telefon und die anwesenden Bürger im Raum mit ihrer jetzt sehr hochfrequenten Stimme.
Nachdem dann alle Briefing-Unterlagen und Dokumente im Rechner durchgeklickt waren, entschieden sich beide Seiten offenbar für das Fax. Die Dame am anderen Ende, die bis vor fünf Minuten noch “Mischa” war, faxte nun. Heraus kam ein fast unleserlich schwarzes Blatt, auf dem die blau-gelbe Mobilfrau ablesen sollte, wie sie das vor ihr liegende Ticket durch Kreuzchen und Eintragen eines Preises in ein Familienticket verwandeln kann. Um es kurz zu machen: Irgendwie ging das dann. Sie kreuzte nun doch Gruppenfahrkarte an, trug zwei Erwachsene und ein Kind ein und konnte sogar selbstständig den Preis der Familienkarte eintragen.
Na, Bitte! Geht doch alles! Und hat doch nur 13 Minuten gedauert.
Das nächste Mal stelle ich mich lieber an der langen Schlange im Reisezentrum der Bahn an, glaub ich.

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