Stefan Niggemeier war in Leipzig. Vor Journalistik-Studenten und anderen Interessierten gab der Grimmepreisträger einen kurzen Ein- und Überblick seiner Arbeit als BILDBlogger und versuchte zu erklären, wie das ist, wenn “Medien am Pranger” sehen. Unter dieser Überschrift stand sein Vortrag. Tasse Kaffee, Tee oder Kakao holen, das wird jetzt etwas länger. :-)
Wenn Medien am Pranger stehen, müssen sie irgendwas getan haben. “Meist sind das Fehler. Die erklärbar sind, denn wo Menschen arbeiten, passieren auch mal Fehler”, so Stefan Niggemeier, der damit Kai Diekmann zitierte und überraschenderweise mal auf seiner Seite stand. Zum letzten Mal an diesem Abend.
Denn, so Niggemeier, wer Fehler mache, müsse sie auch korrigieren. Was BILD offenbar nicht sehr oft gelingt. Paradebeispiel war unter anderem die Story, ein Erfinder könne aus Katzen Benzin machen. “Diese Geschichte wurde meines Wissens nie berichtigt”, sagte der BILDBlogger. Catcontent gibt’s eben nicht nur in Blogs.
Schlimmer als Fehler machen und sie nicht zu korrigieren sei aber, von anderen Medien die Fehler abzuschreiben. Dazu passend präsentierte Niggemeier eine Reihe von Falschmeldungen aus BILD, B.Z. oder von dpa, die Tags darauf in ähnlicher, teils auch noch schlimmerer Version in anderen Medien standen. So wurde unter anderem das angeblich neu aufgetauchte Möllemann-Video präsentiert. Eingeordnet wurde der Blog-Eintrag damals unter “Grob Fahrlässiges”. Was sich später auch bewahrheiten sollte.
Sich über solche Fehler aufzuregen, sei sicher angebracht, so Niggemeier. Besser wäre es, grobe Vergehen zu melden. “Nur wem? Gerichte beschäftigen sich nicht damit. Es könnte also sein, dass sich Aufsichtsbehörden darum kümmern”, sagte er. Wer Stefan’s Blog kennt, weiss, dass er vor allem im TV-Bereich so seine Erfahrungen mit Aufsichtsbehörden, also Landesmedienanstalten machen durfte. Im Print-Bereich gibt es keine Medienanstalt, wohl aber den Presserat. “Lernt man heutzutage im Journalistik-Studium noch, dass der Presserat ein zahnloser Tiger ist?”, wollte Niggemeier wissen. Und ich glaube, Prof. Michael Haller hat genickt. Der Presserat, so Stefan weiter, sorge nicht für bessere Medien sondern reguliere nur. Das Ergebnis sei sehr frustrierend und oft unverständlich.
Eine Lösung, falsch berichtende Medien an den Pranger zu stellen, sei daher die Einrichtung eines Watchblogs, wie es BILDblog eben ist. Das hätte viele Vorteile, wie etwa die Aktualität und Kontinuität, der Aufbau einer Community, die einem weitere Vergehen mitteilen könne, die Archivfunktion, aus der man schöpfen kann und natürlich eine nicht zu unterschätzende Wirkung durch Suchmaschinen. BILDblog gibt es seit Juni 2004, vier Journalisten arbeiten daran. Christoph Schultheis könne mittlerweile davon leben und arbeite hauptsächlich für das Blog, das sich von Werbung finanziert und täglich 40.000 Besucher anlockt.
Ein digitaler Pranger sei BILDblog trotz aller Kritik nicht. Niggemeier würde sie eher mit “Aufklärung” umschreiben, “auch wenn das altmodisch klingt.” Er glaubt, Watchblogs müssten diese Funktion übernehmen “Na klar dürfen Journalisten Fehler machen, aber wenn sie diese korrigieren, müssen sie sich im Zweifelsfall beschimpfen lassen.”
In einer anschließenden Talk- und einer sich daran anschließenden Fragerunde beantwortete Niggemeier einige Fragen der Zuschauer und der Moderatoren des Abends. Etwa die, ob er glaube, dass BILD-Redakteure vor ihm bzw. dem BILDblog zittern. “Nein, das tun sie sicher nicht. Aber von Kollegen, die dort arbeiten weiss ich, dass manche schon hoffen, nicht eines Tages mal von uns erwähnt zu werden.”
Auf die Frage, wie sich das BILDblog weiterentwickeln werde sagte er: “Wir haben geplant… Nichts. Das klingt traurig, ist aber wahr. Wir haben nie etwas geplant, sondern immer geschaut, ob es jemanden interessiert. Keine Ahnung, wo wir in ein paar Jahren stehen.”
Reaktionen der Leipziger Blogszene trudeln so langsam ein. Weitere bitte als Trackback oder Kommentar.


LeipzigBlogs
[...] Stefan Niggemeier war in Leipzig und hat vor Journalistik-Studenten über “Medien am Pranger” gesprochen. Ausführlich nachzulesen bei der Heldenstadt. [...]
[...] kleiner Bericht über die bereits erwähnte Veranstaltung heute (mehr hier). Er beginnt mit drei Wahrheiten: schlechte Journalisten, die Fakten nicht checken und Meldungen [...]
[...] darüber hier, hier oder [...]