“Leipzig ist eine komische Stadt”, meint die mir gegenüber sitzende Buchhändlerin aus dem Rheinland, “wenn man dem Stadtzentrum näher kommt, werden die Ansagen in der Straßenbahn plötzlich international.” Das ist wohl der Hauch des Provinziellen, der diese Stadt durchzieht. Schon die Auswahl der Sprachen spricht Bände, denn da fehlt sicher Russisch. Aber gut, dann würden die Ansagen ja noch länger. Unterbricht man die Lektüre eines Buches aufgrund der Haltestellenansage am Leuschnerplatz, braucht man sie in den nächsten zehn Minuten sicher nicht wieder aufzunehmen. Da kommen schließlich noch das Neue Rathaus, die Thomaskirche, der Gördelerring, der Bahnhof etc. (Ich nehme gern die Neun.). Jedes mal eine Ansage, die eine gefühlte halbe Stunde nervt. Was wird da erst passieren, wenn sich der Vorschlag der Umbenennung des Wilhelm-Leuschner-Platzes in “Platz der friedlichen Revolution” durchsetzt? Das Wort ‘Revolution’, dessen Silben wie eine Maschinengewehrsalve rattern, mindestens drei Mal hintereinander in der Straßenbahn? Ein schrecklicher Gedanke. Wie Mephisto meldet, findet die SPD den Gedanken gar nicht so abwegig. Ganz im Gegenteil. Offensichtlich fährt da niemand mehr mit der Straßenbahn. Im Herbst wurde darüber diskutiert, den Augustusplatz entsprechend umzubenennen. Wie wäre es denn angesichts der Lage der auditiv gegeißelten Straßenbahnfahrgäste, einen Platz außerhalb der internationalen Zone der LVB umzubenennen? Warum denn nicht beispielsweise den Südplatz? Da könnte man sogar besonders kostengünstig eine Gedenktafel an die örtlich bereits vorhandene öffentliche Einrichtung schweißen. Oder man nimmt einen Platz im Leipziger Osten, um damit auch diesen Stadtteilen die stadträtliche Wertschätzung zu zeigen? Wie auch immer. In zwei Wochen soll der Stadtrat erst einmal beraten. Man darf gespannt sein…
Wilhelm-Leuschner-Platz vs. Platz der Friedlichen Revolution?
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Ein Kommentar
Kürzer und aus LVB-Sicht sicher weitaus zutreffender wäre ein anderer neuer Name für den Wilhelm-Leuschner-Platz:
Wendeplatz.