Seit März diesen Jahres hat die DHL eines ihrer drei internationalen Luftfahrtdrehkreuz nun hier am Flughafen Leipzig/Halle in Betrieb.Mit ausschlaggebend für die Entscheidung pro Leipzig war, dass die Frachtmaschinen des Fracht-Giganten hier Nachts ohne Einschränkungen starten und landen dürfen.
Doch wie lange noch?
So erfreut die Region über die 2000 neuen Arbeitsstellen im DHL-Center ist, so aggressiv beschweren sich die Anwohner nun über den nächtlichen Fluglärm. Während der größte Tageslärm in Wohngegenden wie Hohenheida oder Großkugel von pfeifenden Spatzen kommt, dröhnend dort Nachts tonnenschwere Metalvögel in der Luft. Selbst in Taucha und Leipzigs Waldstraßenviertel beschweren sich bereits Anwohner über Frachtflugzeuge im Anflug …
Am 15. Juli nun entscheidet das Bundesverwaltungsgericht über ein mögliches Nachtflugverbot. Im November 2006 hatte das gleiche Gericht eine vorab eingereichte Klage von Anwohnern bereits abgelehnt.
Nun könnte das vielleicht anders werden, nachdem Messdaten vorliegen und im Juni 2007 bereits das Nachtflugverbot für Passagiermaschinen ausgesprochen wurde – obwohl diese leiser sind als ihre großen Frachtbrüder.
Meinung: Seit einer Woche lebe ich nicht mehr in Leipzig, sondern direkt in der Anflugzone des Flughafen – in Großkugel. Weder ich, noch meine Kinder oder Hunde nehmen die nächtlichen Überflieger großartig war. Das liegt zum einen am gewohnten Großstadt-Lärm, zum anderen sicherlich einfach an der Akzeptanz. Menschen sind Großmeister im Ignorieren.
Auf der anderen Seite ist die Süd-Landebahn des Flughafen bei weitem stärker ausgelastet, was zu einer größeren Lärmbelästigung der Anwohner im östlichen Leipzig führt. Ein Ausgleich der Nutzungsintensität der beiden Landebahnen könnte ein Ansatz des Bundesverwaltungsgericht sein, um Nachtflüge weiterhin zuzulassen, sie aber für Anwohner erträglicher zu machen. Denn mal ehrlich: Wenn Stephanie Hipper aus Taucha mutmaßt, dass hier “einige Menschen regelrecht geopfert [werden] für den Teil der Allgemeinheit, der sich einen wirtschaftlichen Aufschwung erhofft”, hat sie Recht. Nur aus einer für sie verkehrten Perspektive. Die Frage ist: Was sind 2000 Arbeitsplätze und der Wirtschaftsstandort Flughafen wert?
Denn fällt die nächtliche Flugerlaubnis dürfte auch der neue Standort des DHL-Frachtzentrum fallen. Selbst also nach dem Urteil des Gericht am 15. Juli – egal wie es ausfällt – dürfte das Kapitel Nachtflug am Flughafen Leipzig/Halle noch lang nicht beendet sein …
Bis hier hör ich die Motoren.
Wie ein Pfeil zieht sie vorbei,
Und es dröhnt in meinen Ohren.

LeipzigBlogs
Mhm, also ich arbeite desöfteren Nachtschicht in einem der Bürogebäude an der neuen Messe, und damit direkt in der Einflugschneisse. Ich sehe die Flugzeuge zwar immer, aber hören tu ich nix.
Sehr schön geschrieben. Gefällt mir außerordentlich gut. So deutlich konnt ichs in der LVZ nicht bringen. ;-)
Wenn man abends am Cospudener See ist, kann man die DHL-Flotte gut beim Einfliegen beobachten, und ich kann nicht behaupten, dass es dabei kein Fluglaerm entsteht. Einfach zu behaupten, das es gar kein Problem gibt, ist mir ein wenig zu simpel…
Das behauptet sicher auch keiner. Hier geht es um das persönliche Empfinden und das Hochschaukeln von eben diesen Empfindungen bis hin zur Lächerlichmachung einer gesamten Region. So seh ich das zumindest.
Wie, Lächerlich machen? Wen? Die Region?Nur weil man sagt, es gibt Fluglärm und das ist eher doof? Hm.
Was man nie vergessen sollte: aus Brüssel ist DHL unter anderem weg, weil die Stadt nach Jahren ein Nachtflugverbot ausgesprochen hat. Wegen dem Lärm. Honi quit …
Ich höre die Flugzeuge nur vereinzelt in der Nacht, wenn es ansonsten still ist. Mit offenem Fenster gefühlt so laut, als würde vor dem Haus ein kleiner LKW vorbeifahren. Dann kommen sie von Westen, fliegen über Connewitz/Südvorstadt und drehen irgendwo im Osten Richtung Norden ab. So konnte ich es jedenfalls am Nachthimmel beobachten.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei Anwohnern, die viel direkter in der Schneise wohnen, ganz kräftig wackeln tut. Verständlich, wenn sie sich dann gegen den Fluglärm zur Wehr setzen.