In eigener Sache: Welche Konsequenzen Heldenstadt.de aus dem Leistungsschutzrecht zieht. #LSR

Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger zugestimmt. Dieses Gesetz ändert die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen wir alle im Internet publizieren. Auch Heldenstadt.de ist betroffen. Wie wir damit umgehen, erklären wir im folgenden Artikel.

Seit fast zweieinhalb Jahren gibt es Heldenstadt.de in seiner heutigen Form.
Damals, im Herbst 2010, haben wir damit begonnen, das Netz nach interessanten Links zum Thema Leipzig zu durchforsten, um daraus möglichst regelmäßig lesenswerte Schauen zusammenzustellen. Beinahe jeden Morgen haben wir das seitdem geschafft. Ob es sich bei unseren Empfehlungen um Beiträge der klassischen Medien, um YouTube-Videos oder Material aus Blogs handelte, spielte bisher keine Rolle. Von Anfang an war es uns wichtig zu zeigen, dass so viel mehr durch die Gegend schwirrt als wir in den “etablierten” Medien der Stadt serviert bekommen. Dass auch in überregionalen Zeitungen und kleinen Blogs Themen angepackt werden, die es noch nicht – oder nie – in die hiesige Tagespresse bringen.

Klar ist Heldenstadt.de mehr als das, viel mehr als eine Linksammlung, vielmehr eine Art kleines Briefing zum Kaffee, Ihr alle wisst das, die Ihr hier regelmäßig mitlest. Doch heute soll es mal nur um eben jene Links gehen. Speziell um die Links auf Seiten der deutschen Verlage.

Sicher habt Ihr mitbekommen, dass es nur noch eine Unterschrift des Bundespräsidenten benötigt, um hierzulande das Leistungsschutzgesetz in Kraft zu setzen. Mit diesem Gesetz verändern sich die rechtlichen Voraussetzungen, unter denen wir alle ins Internet schreiben, und unter denen auch wir hier unsere Postings verfassen. Denn der beschlossene Gesetzestext (welcher in erster Linie nichts anderes als ein Instrument für Zeitungsverleger ist, andere Websitebetreiber dafür abkassieren zu können, dass diese auf von ihnen publizierte Texte verweisen) trägt ein paar Unklarheiten in sich, die ihn für uns gefährlich machen.

Nämlich: Die Länge der in Zukunft gestatteten Textausschnitte, die Länge der vom bisherigen Urheberrecht ausreichend geregelten Zitate also, wurde nicht ausreichend definiert und bleibt somit Auslegungssache der Verlage. Für uns würde das bedeuten, jeden Link zu einem Artikel einer deutschen Zeitung oder Zeitschrift daraufhin überprüfen zu müssen, in welcher Form und in welchem Umfang der herausgebende Verlag gewillt ist, uns einen Verweis auf einen seiner Onlineartikel zu gestatten. Vernachlässigen wir diesen Schritt – und werden dabei erwischt – hat der jeweilige Verlag theoretisch die gesetzliche Voraussetzung in der Hand, uns eine freundliche Rechnung ins Haus zu schicken oder seine Rechtsabteilung auf uns anzusetzen.

Und ganz ehrlich – auf Beides haben wir keinen Bock.

Aber Ihr seid doch ein Blog, und Blogger betrifft das Leistungsschutzrecht doch gar nicht, entgegnen derzeit manche solchen Bedenken. Auch das ist bei Weitem nicht so eindeutig, wie es scheint. Blogs seien nur betroffen, wenn sie “verlagstypisch” betrieben werden, heißt es. Was das aber genau bedeutet, ist noch lange nicht abschließend geklärt. Ein kleines Team, das täglich einen Presseschau-ähnlichen Artikel publiziert, und auf seiner Seite gelegentlich Werbung schaltet, um wenigstens die Serverkosten zu refinanzieren? Indizien genug, um uns erstmal zu unterstellen, Heldenstadt.de sei ein kommerzielles Angebot.

Wir möchten ebensowenig Präzedenzfall für die Anwendung des neuen Leitungsschutzrechts werden, wie wir Lust darauf verspüren, erst einmal gerichtlich klären zu lassen, worum es sich bei unserer Website denn nun handelt. Um ein kuratiertes Angebot? Eine aggregierte Presse- und Web-Schau? Um “harmloses”, vom Leistungsschutzrecht nicht betroffenes privates Bloggen? Oder irgendetwas anderes, auf das man erstmal kommen muss?

Da der Gesetzestext im Übrigen keine Aussage darüber trifft, bis zu welcher Länge ein kurzes Zitat noch als Textschnipsel zu werten und inwieweit schon die bloße Wiedergabe einer Überschrift abmahnbar ist, wird spätestens hier ein neuer Spielplatz für die Abmahnindustrie geschaffen, auf dem wir uns beim besten Willen nicht tummeln möchten.

Fakt ist, dass wir Heldenstadt.de nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung des Urheberrechts einer erheblich gestiegenen Abmahngefahr ausgesetzt sehen, deren finanzielles Risiko wir nicht tragen möchten. Denn wer schon einmal mit der Abmahnindustrie zu tun hatte, der weiss, wie selbst unberechtigt vorgebrachte Schadensersatzansprüche immer Geld kosten. Bereits bei weitgehend automatisiert eingeforderten Unterlassungserklärungen (die zur Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen gerne abgegeben werden, um unabhängig von der Schuldfrage das finanzielle Risiko zu deckeln) kommt kaum jemand davon, ohne zumindest die gegnerischen Anwälte auszuzahlen zu müssen, die allein für sich schon mehrere hundert Euro aufrufen können. Es ist kompliziert.

Zurück zu uns.

Wir haben lange überlegt, wie wir mit dem Leistungsschutzgesetz umgehen sollen.

Die erste Konsequenz wird bis auf weiteres sein, dass wir auf der Seite Heldenstadt.de ab sofort nicht mehr auf Texte in deutschen Presseangeboten hinweisen. Außer, es besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass diese ihre Möglichkeit, uns zur Kasse zu bitten, nicht in Anspruch nehmen werden, weder heute noch in Zukunft.

Als zweite Konsequenz werden wir fast alle bisherigen Artikel aus dem Netz nehmen. Uns fehlt einfach die Zeit, um jeden einzelnen der 1.125 Beiträge daraufhin zu prüfen, ob sie der Änderung des Urheberrechts genügen.

Dritte und schwerste Konsequenz.
Da ein grosser Teil unserer Updates auf Meldungen in Verlagserzeugnissen basiert, würde es von jetzt an natürlich schwer werden, Postings im gewohnten Umfang rauszuhauen, schon gar nicht in der bisherigen Frequenz. Völlig illusorisch, das versuchen zu wollen, allein mit Links auf Blogs und Seiten aus dem Ausland. Deshalb haben wir beschlossen, Euch nicht mehr wie bisher täglich über das Neueste in Leipzig auf dem Laufenden zu halten.

Sind wir übervorsichtig? Sehen wir Gespenster? Tun wir das Richtige? Oder ist unsere Sorge womöglich unbegründet? Kippt die nächste Regierung das ganze Gesetz wieder, und alles ist wie bisher? Wir wissen es nicht. Sobald sich der Nebel lichtet, können wir klarer sehen, die Dinge neu bewerten und unsere Entscheidung gegebenenfalls überdenken. Im Moment müssen wir aber auch erstmal mit einer völlig neuen Erfahrung klarkommen: dass einem all die Eventualitäten, Unklarheiten, drohenden Gefahren ganz schön die Lust am unbeschwerten Bloggen verhageln.

Aber keine Sorge. Auf Hagel folgt in der Regel Sonnenschein, und die Lust auf Heldenstadt.de an sich ist nach wie vor da. Und nicht mehr täglich heisst, dass es trotzdem weitergeht. Nur die neue Form, die muss – und wird – sich noch finden.

Vielen Dank für Euer Verständnis.

Folgende Leipziger Abgeordnete haben am 1. März im Bundestag FÜR die Einführung des Leistungsschutzgesetzes gestimmt und somit mitzuverantworten, was derzeit passiert:
Bettina Kudla und Dr. Thomas Feist (beide CDU).

Hiermit möchten wir uns ausdrücklich bei Daniela Kolbe und Wolfgang Tiefensee (beide SPD), Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) und Monika Lazar (Grüne) bedanken, die GEGEN das Leistungsschutzrecht stimmten.
Denkt daran, wenn Ihr zur nächsten Bundestagswahl im September Entscheidungshilfen benötigt.

Weiterführende Lesehinweise:
“Bundesrat winkt Leistungsschutzrecht durch”, Heise.de.
“Bundesrat winkt Leistungsschutzrecht durch. Ein Kommentar”, IGEL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht.
“Unsere Mütter, unsere Fehler”, Sascha Lobo.
“Netzpolitischer Theaterdonner”, Carta.info.
“FAQ zum Leistungsschutzrecht”, Rechtsanwalt Thomas Schwenke.

32 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Warum die alten Links und Zitate auch raus? Gesetzesänderungen gelten ja nie rückwirkend…

  2. Es gilt, was im Internet steht, egal wann es hineingesetzt wurde. Oder sagen wir mal so: Das Datum wird Abmahnkanzleien nicht davon abhalten, es mal bei uns zu versuchen.

  3. Verständlich, aber sehr sehr schade, insbesondere die dritte Konsequenz.

  4. sehr, sehr schade, aber absolut verständlich
    Abmahnen ist in Juristenkreisen eine sichere Einnahmequelle und die Gesetzestexte dehnbar wie Gummi und Auslegungssache. Dem würde ich mich auch nicht ausgesetzt sehen wollen. Danke für Eure bisherige Arbeit, viel Glück und Erfolg für die Zukunft.

  5. Wegen der alten Links, geht es dann darum möglichst nie “Abmahnpost” zu bekommen? Ein Link auf einen Artikel, der vor Inkrafttreten des LSR veröffentlicht wurde, dürfte ja wohl nicht abmahnfähig sein.

    Ansonsten kann ich es als “Strafaktion” auch verstehen. Sollen die sich doch selbst verlinken.

  6. Schade schade,

    muss aber auch sagen, dass ich Eure Reaktion etwas übertrieben finde. Der Stil Eurer Morgenschau war ja eher, Neuigkeiten kurz mit eigenen Worten zu kommentieren und dann einfach auf die Originalquellen zu verweisen. Das sind ja nicht einmal Zitate, sollten daher vom Leistungsschutzrecht nicht betroffen sein.

    Das die erlaubte Zitatlängen nicht festgelegt wurde, bedeutet nicht, dass es der Auslegung der Verlage unterliegt, sondern der der Justiz. Auch nicht immer beruhigend, vor allem in Sachsen ;-), aber dennoch ein Unterschied.

    Verstehe schon, dass ihr keine Lust darauf habt, weiterhin auf Produkte von Presseverlagen zu verlinken. Das ist aber eine vorauseilende Selbstbeschneidung der eigenen Meinungsfreiheit, die keine Gewinner hat: die LVZ hat dann 1% weniger Klicks (die Welt wird sich für die trotzdem noch eine Weile weiterdrehen), ihr sagt Eure Meinung nicht mehr (schade für Euch), und Eure Leser haben keinen praktischen Überblick über LE mehr.

  7. Mir ist neu, dass ein Gesetz rückwirkend Auswirkungen haben kann – meines Wissens ist das sogar nicht möglich. Das Entfernen alter Artikel ist m.E. schon mal nicht notwendig.

    Ehrlich: Ich denke, ihr handelt voreilig und nicht durchdacht. Eure Bearbeitung der Links ist sicher ein Grenzfall – aber voreilig quasi den Betrieb einzustellen, ohne wenigstens eine fachliche Klärung einzuholen, halte ich für völlig daneben. Oder geht euch die Luft aus? Dann kommuniziert das lieber offen.

    Fragt doch mal die Spendenbereitschaft eurer Leserschaft ab – wahlweise für ein vorsorgliches Gutachten, wahlweise für den Fall der Abmahnung. Vielleicht findet sich ja auch ein Anwalt, der die PR durch ein beliebtes Blog aus Leipzig gebrauchen kann und euch berät?

    Oder holt euch von den Verlagen, die ihr bevorzugt verlinkt, einfach schriftlich Genehmigungen (Lizenzerteilungen). Die könnten ja auch vorläufig sein. Das wäre einmalig ein Aufwand von vielleicht 10-15, vielleicht 20 E-Mails.

    Das ist doch kein Weltuntergang?! Oder Grund, gleich den Betrieb einzustellen?

    Und glaubt ihr wirklich, die LVZ oder die Zeit oder wer auch immer würde euch abmahnen wegen einem Link???

    Abgesehen davon frage ich mich gerade: Das Gesetz gilt doch erst, wenn der BuPrä seine Unterschrift druntergesetzt hat? Das gilt doch noch gar nicht? Warum so (vor-)eilig?

  8. P.S.: Was spricht eigentlich dagegen, die Morgenschau wie bisher weiterzumachen und – bei kritischen Fällen – einfach keine Links zu setzen?

  9. Als Blogger verstehe ich die Reaktion sehr gut. Ich möchte auch einfach schreiben und habe keine Lust auf Post von Änwälten, selbst wenn ich voll und ganz im Recht bin. Es ist mir nicht wert, mich aufzuregen und um mein Recht zu kämpfen, welches ganz bewusst zunehmend schwammig gehalten wird. Deswegen werde ich auch aus all meinen alten Artikeln sämtliche Links bis auf die hier ausgenommenen
    http://nesselsetzer.wordpress.com/2013/03/23/klare-konsequenzen-zum-unklaren-leistungsschutzrecht/
    herausnehmen, auch um den Verlagen gegenüber ein klares Zeichen zu setzen. Wegen mir können die alle sterben gehen.

  10. Mal an alle, die denken, dass alte Artikel nicht betroffen seinen.

    Da wäre ich mir nicht so sicher: “Rückwirkend” heißt m.E. nur, dass heldenstadt.de nicht dafür in Anspruch genommen werden kann, dass vor inkrafttreten des Gesetztes Links gesetzt wurden.

    Das heißt aber NICHT, dass nicht ggf. auch “alte” Nachrichten jetzt auf einmal “Schutz” genießen. Zumindest ist das nicht so eindeutig, dass man das Risiko ohne weiteres eingehen könnte (würde ich auch nicht, so schade es ist),

    Es ist eine Schande!

  11. Das mit dem Verweis auf die nächste Wahl ist leider mit Hinblick auf rot-grün zumindest nonsens. Die hatten ihre Chance im Bundesrat und haben sie leider nicht genutzt. Für mich eine herbe Enttäuschung. Ansonsten würde ich mich freuen, wenn ihr erst mal den Mut habt so weiterzumachen und nicht euch selbst beschneidet.

    Es wäre natürlich Schade, wenn ein Internetjournalismus entsteht, der auf Quellen ganz verzichtet. Da kann ich dem Vorredner nicht zustimmen, das wäre keine Lösung.

  12. Ich kann verstehen, dass ihr die alten beiträge auch ‘rausnehmt. Auch wenn die Artikel, auf die ihr linkt, älter sind, könnte ein gerissener Anwalt auf die Argumentation kommen: Die Webseite, wie sie in meinem Blog angezeigt wird, wird ja erst zusammengesetzt mit Daten aus der Datenbank, Lay-Out-Informationen aus anderen Dateien, etc., wenn ich sie abrufe. Und das geschieht im Zweifel eben nach Inkrafttreten des Gesetzes…
    Auch mir gefällt das LSR nicht, nicht zuletzt aus derartigen Gründen. Die Verlage werden schon sehen, was sie davon haben, wenn kaum noch jemand zu ihnen verlinkt.

  13. Ich finde es auch schade. Zumal ihr ja tatsächlich sehr wenig “zitiert” habt im Sinne des LSG. Auf die Artikel zu verlinken ist nicht das Problem, Streitfall ist ja wohl der Umfang des verwendeten Originaltextes.
    Dass ihr kein Spielball der Abmahnindustrie werden wollt, verstehe ich. Dass ihr euch gleich komplett selbst zensiert, finde ich unnötig.

  14. Ich fürchte auch, dass den Autoren hier die Luft ausgegangen ist. Trotzdem großen Respekt an die Leistung der letzten Jahre. War viel Arbeit, ohne einen Cent zu verdienen. Da ist es nur recht und billig, sich jetzt mal ein wenig zurückzulegen. Wenn einem die Morgenschau wichtig gewesen wäre, hätte man aber sicher eine Lösung gefunden. Ideen wurden ja oben schon angedeutet.

    Paul

  15. @owy Wann ein Beitrag veröffentlicht wurde, ist bei dem Thema “rückwirkend” völlig unrelevant. Es gilt einzig der Zeitpunkt des Abrufens von Inhalten. Dass eine News vordergründig eine Relevanz zu dessen Veröffentlichung hat, ist eine Denke des Papier-Mediums.

    Ich finde außerdem erstaunlich, dass du den Heldenblog-Betreibern vorschreiben willst, wie sie mit ihren Inhalten umzugehen haben. Das Nachtreten setzt der Sache die Krone auf!

    Zitat: “[…] voreilig quasi den Betrieb einzustellen, ohne wenigstens eine fachliche Klärung einzuholen, halte ich für völlig daneben. Oder geht euch die Luft aus? Dann kommuniziert das lieber offen.”

  16. Hallo Heldenstädter :-) also wir haben keinen Zweifel an unserer Haltung gelassen- lange vor dieser traurigen Meldung von Heldenstadt http://www.l-iz.de/Leben/Gesellschaft/2013/03/Unsere-Gesellschaft-lebt-vom-Austausch-nicht-vom-Burgenbauen.html

    Um ganz sicher zu fahren, besteht die Möglichkeit für Heldenstadt.de, einfach einen 5-Zeiler mit Bitte um Bestätigung an die wichtigen Medien zu versenden (inkl. Beispiel, wie Ihr arbeitet) und die Nummer ist durch … so sehe ich das.

    Zudem ist das Zitieren und verlinken nach wie vor nicht verboten, ergo sehe ich derzeit kaum Probleme für Heldenstadt.de … aber Vorsicht ist wohl die Mutter der Porzellankiste …

    Also: Unsererseits gibt es keine Bedenken und die Anwälte schlafen in aller Ruh …

  17. Schade..

    Ich bin für folgenden Weg: Spenden sammeln und anwaltlich prüfen lassen, ob ihr überhaupt unter das LSR fallt. Ein (auch kommerzielles) Blog ist kein “gewerbliche Anbieter von Suchmaschinen oder gewerbliche Anbieter von Diensten [..], die Inhalte entsprechend aufbereiten.”

    Was haltet ihr davon?

  18. Man schaue sich auch mal die Erläuterungen in der TAZ an (ich verzichte jetzt mal auf einen link ;-) der Artikel hat den Titel Blogger-und-Leistungsschutzrecht und DokumentId 112245, hach, das schöne neue Internet :-) )

    Um es mal etwas provokant auszudrücken: Einfach wegen eines dummen Gesetzes den Blogbetrieb einzustellen, ohne davon überhaupt ansatzweise betroffen zu sein, wirkt auch nicht netz-kompetenter als die Politiker, die das Gesetz zu verantworten haben. Sorry, aber das ist vergleichbar damit, sein Haus in Google Streetview verpixeln zu lassen, um nicht ausspioniert zu werden :)

  19. @Rene: Ich hoffe, du hast dir auch die einordnenden Kommentare unter dem TAZ-Artikel angeschaut…

    Ansonsten, ihr lieben Heldenstädter, danke für eure Mühen aus der Ferne! Ich kann eure Entscheidung sehr gut verstehen.

  20. Vielen Dank für Eure Meinungen, Unterstützung und Kritik!

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir machen den Laden keineswegs dicht, sondern suchen lediglich neue Formen.

    Nach Inkrafttreten des LSR lässt sich die seit Jahren gewohnte “alte” Form der täglichen Sammlungen auf Heldenstadt.de nicht mehr realisieren, OHNE damit die Chancen auf Anwaltspost erheblich zu steigern. Und wenn so etwas ins Haus flattert, geht das IMMER ins Geld. (In der Vergangenheit haben wir bereits abmahnungsbedingt eine nicht unerhebliche Summe Geld aufwenden müssen, ohne dies jemals an die grosse Glocke hängen zu wollen. Wir wissen also leider ganz genau, wie die rechtlichen Voraussetzungen aussehen und welche Umgangsformen in der Branche herrschen – und was uns das Blog wert ist.)

    Schaut mal, trotz relativer Relevanz und wachsender Breitenwirkung handelt es sich bei Heldenstadt.de weiterhin um ein während der Freizeit veröffentlichtes Blog. Es macht Riesenspass, aber unser Zeitkontingent für dieses Hobby ist begrenzt und reichte bisher für die täglichen Zusammenfassungen. Zusätzlicher Aufwand ist derzeit nicht drin, weder zeitlich noch finanziell. Und wenn ein unserer Meinung nach unsinniges und noch dazu ungenaues Gesetz erlassen wurde, können wir nur im Rahmen des uns zur Verfügung stehenden Kontingents reagieren.

    Man könnte uns vorwerfen, nicht bis zum Inkrafttreten fröhlich weiter Verlagslinks bloggen zu wollen, als gäbe es kein Morgen. Wir aber lassen stattdessen heute schon die Rolläden runter.

    Wie es weitergeht, wird sich zeigen.

    Bleibt einfach dran.

  21. ich finde ihre entscheidung sehr gut. vielen dank für ihre klare haltung.

    .~.

  22. Bei aller berechtigten Kritik am LSR: Ihr seid weder eine Suchmaschine noch ein Aggregator. Daher betrifft euch das LSR in seiner jetzt verabschiedeten Form schlicht nicht. Bitte beschäftigt euch jenseits der derzeit verbreiteten Panik mal mit dem verabschiedeten Gesetzesinhalt.

  23. Liebes Heldenstadt.de-Team,

    was für den einen als “vorrauseilender Gehorsam” erscheit, kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn man – wie ihr schreibt – mit sog. Abmahnindustrie bereits bittere Erfahrung machen musstet. Dennoch ist selbstverständlich schade. Ich las euch via GoogleReader und werde auch mit Tiny Tiny RSS weiterhin die Treue halten. Es ist mehr als nachvollziehbar, dass ihr weder die Zeit noch die Motivation aufbringen könnt die Masse der alten Beiträge zu bearbeiten.

    In meiem privaten Blog habe ich bereits auch ein entsprechends WordPress-Plugin installiert und bin noch dabei die Beiträge rückwirkend zu verändern: https://postpoeia.name/blogs/mytho/2013/03/23/in-sachen-links/

  24. kann als blogger eure sorgen und nöte nachvollziehen. will aber zur juristischen seite des problems noch einen link nachtragen:

    unter http://www.bmj.de/DE/Buerger/wirtschaftHandel/ReformUrheberrecht/_doc/FAQ_Leistungschutzrecht_doc.html gibt es den gesetzeskommentar des bundesjustizministeriums, der unter punkt 4 und 5 explizit festhält:

    “Der Unterlassungsanspruch zielt nur auf „Suchmaschinen und andere Dienste, die nach Art einer Suchmaschine Inhalte aufbereiten“. Ein Blogger ist keine Suchmaschine und er arbeitet auch nicht wie ein automatischer Dienst. […] Ganz grob gilt also der Grundsatz: „Eine Maschine zitiert nicht.“”

  25. Hallo Leipzig,

    ich blogge selbst. Und ich habe auch meine Sorge wegen LSR. Die Gründe stehen in eurem Artikel. Es kommt noch ein weiterer dazu: Christoph Keese vom Springer Verlag ist der Meinung, Blogger seien Verleger und würden vom LSR profitieren. DAS macht mir Angst.

    Nachrichten verlinke ich von Golem, Heise, Spiegel und L-IZ. Alle haben sich klar gegen LSR geäußert. Die LVZ jedenfalls ist dafür.

    Ich kann euren Schritt verstehen. Aber lasst die Bloggerszene in Deutschland nicht wegen LSR aussterben. Dann haben DIE nämlich gewonnen.

  26. Was hier noch nicht erwähnt wurde: Warum redet Ihr über mögliche ABMAHNUNGEN???

    Das LSR VERBIETET die Snippets doch nicht, sondern eröffnet den Verlagen die Möglichkeit, für die Verwendung zu kassieren. Was im schlimmsten Fall droht, ist also nicht eine Abmahnung mit Aufforderung zur Unterlassungserklärung, sondern eine Rechnung des “betroffenen” Presseverlags.

    Das ist erstmal etwas ganz anderes als eine Abmahnug mit Anwaltskosten, Streitwert etc. – und vermutlich auch mit ganz anderen, sehr viel marginaleren Summen.

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